„Glücks“-Vorstellungen sind sozialwissenschaftlich zunächst eher im ethnologischen oder religionssoziologischen Zusammenhängen untersucht worden. Machiavelli hat analytisch die Fortuna als Voraussetzung politischen Erfolgs behandelt. Marx und Engels haben sich bei der Konzeptualisierung der klassenlosen Gesellschaft sehr zurück gehalten. Bei den soziologischen Klassikern kann man konstatieren, dass sie eher Themen des ‚Unglücks‘ zu Ausgangspunkten nahmen.

Eine der ältesten Beschäftigungen mit dem Problem des menschlichen Glücklichseins ist jener Zweig der empirischen Sozialforschung (nicht zu verwechseln mit der empirischen Glücksforschung), der sich selbst „Glücksforschung“, in manchen Quellen auch „Glücksmessung“, nennt.

Die soziologische „Glücksmessung“ geht von der Überlegung aus, dass es möglich sein müsste, durch Befragung festzustellen, unter welchen Bedingungen Menschen mehr oder weniger glücklich sind. In diesen Befragungen werden verschieden Glücksindikatoren ermittelt.

In Deutschland gründete und führt der (mittlerweile emeritierte) Professor für Soziologie der Universität Koblenz-Landau Alfred Bellebaum das „Institut für Glücksforschung“ in Vallendar. Doyen der niederländischen Glücksforschung ist der niederländische Professor Ruut Veenhoven. Er betreibt an der Erasmus-Universität Rotterdam eine umfangreiche Datenbank, in der alle von ihm als wissenschaftlich anerkannten Arbeiten zum Thema Glücklichsein gesammelt sind. Seine Dissertation unter dem Titel „Conditions of Happiness“ (Bedingungen des Glücklichseins, eingereicht am 12. Juni 1984 an der Erasmus Universität Rotterdam) wurde für die soziologische Glücksforschung wichtig. Angesichts der großen Zahl derartiger Befragungen kommt den Sekundärauswertungen große Bedeutung zu, in denen die Ergebnisse mehrerer Befragungen entweder zeitgleich oder als zeitliche Entwicklung untersucht und ausgewertet werden.

Vor allem die Befragungen, in denen das Glücks-Niveau einzelner Länder verglichen wird, haben großes Medienecho. Unabhängig davon gibt es eine unübersehbare Ratgeberliteratur zum Thema Wie werde ich glücklich?

Eine Wirkung der soziologischen Glücksforschung auf Politik und Lebensführung beginnt sich erst zu entwickeln, da der Forschungszweig erst in jüngster Zeit größere Aufmerksamkeit erfährt. Mittlerweile erhebt Großbritannien landesweit neben anderen Nachhaltigkeitsindikatoren auch das subjektive Wohlempfinden seiner Einwohner, um bessere Politik machen zu können.

Untersuchungen zeigen, dass die Bereitschaft, sich als glücklich zu bezeichnen, nicht im gleichen Ausmaß steigt wie der Lebensstandard, bzw. sogar mit steigendem Lebensstandard abnehmen kann. Im Bereich angewandter Forschung hat Ernst Gehmacher 1986 gemeinsam mit Giselher Guttmann im Auftrag des damaligen österreichischen Bauministers Dr. Heinrich Übleis eine Studie erstellt, welche die soziologische Glücksforschung für die Planung einer Autobahn nutzbar machen sollte.

Die amerikanische Psychologin Sonja Lyubomirsky kritisiert, dass Umfragen nicht in der Lage seien, die Frage zu beantworten, was zuerst komme: das Glück oder dessen Begleitumstände. Zum Beispiel gebe die Beobachtung, dass Menschen mit starken sozialen Bindungen glücklicher sind als der Durchschnitt, keine Auskunft darüber, ob Freunde glücklich machen oder glückliche Menschen leichter Freunde gewinnen.

Diese Kritik wird mittlerweile jedoch von einigen Forschern aufgenommen, indem sie Langzeitstudien durchführen, um zu ermitteln, in welche Richtung die Kausalität geht.

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GLÜCKSINSTITUT BERLIN