Jüngere Forschungsergebnisse der Neurowissenschaften haben wichtige Einsichten in die biologischen Grundlagen von Glücksgefühlen erbracht. Im Zuge der anhaltend intensiv betriebenen Hirnforschung dürfte der diesbezügliche Kenntnisstand noch erweitert werden. Bedeutenden Einfluss auf Glücksempfindungen haben nachweislich Endorphine, Oxytocin sowie die Neurotransmitter Dopamin und Serotonin. Das Gehirn setzt diese Botenstoffe bei unterschiedlichen Aktivitäten frei, zum Beispiel bei der Nahrungsaufnahme, beim Geschlechtsverkehr oder beim Sport.

Dass chemische Substanzen große Wirkung auf unser Gefühlsleben ausüben, dass sie unsere Gemütslage kurzfristig verändern können und unser Verhalten mitbestimmen, stellt das herkömmliche Menschenbild zum Teil in Frage, meint der Glücksforscher Stefan Klein: „Wir verstehen uns als geistige Wesen, fühlen uns von Hoffnungen, Gedanken, Wünschen beseelt, nicht von Chemie. Wenn wir uns verlieben oder stolz unsere Kinder ansehen, können wir dann wirklich glauben, diese Freude am Dasein sei nichts anderes als der Strom einiger Chemikalien im Kopf?“ Aber ganz so simpel, betont Klein, seien die Zusammenhänge auch wieder nicht: „Die Formeln Dopamin gleich Lust, Oxytocin gleich Mutterliebe stimmen nur sehr bedingt – schon deswegen, weil diese Botenstoffe keine Einzeltäter sind.“ Bestimmte Neurotransmitter spielten zwar eine Hauptrolle im menschlichen Gefühlshaushalt, aber doch nur in einem vielgestaltigen Wirkungsgefüge.

Von der pharmazeutischen Industrie zu medizinischen Zwecken hergestellt, werden solche Substanzen etwa bei Depressionen in Medikamentenform verwendet. Sie kommen aber auch bei Drogenkonsumenten zur Anwendung. Einige Drogen veranlassen das Gehirn, diese Substanzen unnatürlich stark auszuschütten, und beeinflussen ihr Wirkungsgefüge derart heftig, dass es aufgrund des Konsums zu einer Überschwemmung mit diesen endogenen Botenstoffen während der Wirkungszeit kommt. Dieser Zustand kann im Konsumenten ein mehrere Stunden dauerndes Glücksgefühl hervorrufen.

Mittels fMRI und EEG ist es möglich, die Durchblutung von Hirnarealen zu messen. In vielen Experimenten wurde in den letzten Jahrzehnten erforscht, welche Gefühle zu Aktivitäten welcher Gehirnareale führen. In diesem Zusammenhang wurden auch positive Emotionen und Glücksgefühl erforscht. So zeigt sich, dass eine höhere Aktivität des linken präfrontalen Cortex (PFC) stark mit einer offenen, neugierigen Haltung gegenüber Reizen korreliert, während eine höhere Aktivität des rechten PFC mit einer eher ängstlichen Rückzugshaltung korreliert. In weiteren Experimenten konnten Davidson u. a. eine entsprechende Verbindung zwischen Hirnaktivität und persönlicher Einschätzung des Glücks/der Zufriedenheit zeigen: Stärkere Aktivität des linken PFC korrelierte deutlich mit höherer subjektiver Zufriedenheit.

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GLÜCKSINSTITUT BERLIN