Die experimentelle Glücksforschung ist eine der jüngsten Formen der Glücksforschung. Das IFEG – Institut für experimentelle Glücksforschung wurde am 4. Dezember 2002 gegründet, stützt sich aber auf die Vorarbeit von Herbert Laszlo, der sich schon seit 1976 systematisch mit den Fragen des Glücklichseins und seiner Ursachen befasst.

Basis der experimentellen Glücksforschung ist die Lehrmeinung, dass nur Experimente einen Zusammenhang von Ursache und Wirkung klären können, Umfragen hingegen nur Korrelationen. Sozialpsychologe Werner Herkner formuliert: „Mit Korrelationsdaten allein kann sich eine Wissenschaft, die auf Herstellung brauchbarer Theorien abzielt, nicht zufriedengeben.“

Die experimentelle Glücksforschung anerkennt ausdrücklich das Postulat der Kausalität in jener Weise, in der es auch in der Naturwissenschaft gilt: als Auftrag, zu jeder Beobachtung eine geeignete, glaubwürdige Ursache zu suchen.

Auf dieser Basis hat die experimentelle Glücksforschung folgende Definitionen und Theorien entwickelt:

Glück ist ein Hochgefühl, der vom Wunsch nach Fortdauer gekennzeichnet ist, solange es andauert, und vom Wunsch nach Wiederkehr, wenn man sich seiner erinnert. Seine ekstatischen Momente heben diesen Gemütszustand über die Genugtuung oder die Zufriedenheit hinaus.

Zur Präzisierung sind dieser Definition die als „partielle Charakterisierungen“ nach Eike von Savigny folgende Grundbegriffe beigefügt:

-Gemütszustand (englisch „State of Mind“) ist ein inneres Erleben, das auch mit negativen Gefühlen einhergehen kann. Die Erfahrung zeigt, dass auch Trauer oder Angst zu einem Zustand führen können, der bewusst und ohne Zwang angestrebt wird. Beispiele sind das Fahren in der Berg-und-Tal-Bahn und die so genannte „russische Melancholie“.

-Wunsch ist ein spontaner Akt der Appetenz, der auch gegen das bewusste „Wollen“ auftreten kann. Auch das, was man sich wünscht, aber aus rationalen Gründen nicht „will“, ist Glück.

-Fortdauer betrifft den Gemütszustand, nicht aber der Bedingungen, unter denen er entstanden ist. Im Gegenteil, Beobachtungen lassen darauf schließen, dass lediglich ständige, überraschende Veränderungen den Gemütszustand aufrecht erhalten, den wir als Glück bezeichnen.

-Wiederkehr versteht sich hier als Gegenstand des Wünschens unabhängig von der realen Möglichkeit.

Glück nach dieser Definition entspricht weitgehend der „eudaimonía“ nach Aristoteles (Aristoteles a.a.O.), dem „Flow“ nach Mihaly Csikszentmihalyi und (ungeachtet der dort fehlenden Definition) der „Selbstverwirklichung“ nach Abraham Maslow.

Theorie der optimalen Beanspruchung
Glück entsteht – nicht nur, aber auch - durch eine Beanspruchung, welche die Fähigkeiten des Menschen optimal ausnützt. Laszlo hat dafür den Begriff „optimale Beanspruchung“ geprägt.

Auch dazu die partielle Charakterisierung der verwendeten Grundbegriffe mit Bedeutung für diese Theorie: Beanspruchung ist die Summe der Auswirkungen von Belastungsparametern auf den Organismus. Belastung ist zu verstehen als Summe aller auf das Individuum einwirkenden Arbeits- und Leistungsparameter. Konkret handelt es sich um eine Information von außen oder von innen, zu der auch Entscheidungen des Menschen gehören und die den Menschen zu einem Einsatz seiner Fähigkeiten veranlasst. Diese Information kann verbal, aber auch nonverbal zum Beispiel durch eine Beobachtung oder ein Geräusch erfolgen. Auch die Beanspruchung durch Schicksalsschläge oder durch die Gemeinschaft („Mobbing“) ist von diesem Begriff umfasst und kann im weitesten Sinn als „Information“ verstanden werden.

Belastbarkeit umfasst neben körperlichen und geistigen Kräften auch Fähigkeiten, Fertigkeiten und Persönlichkeitseigenschaften, Leistungsbereitschaft und Motivation. Diese Parameter bilden eine Einheit mit den Belastungsparametern und beeinflussen mit diesen gemeinsam die Beanspruchung.Fähigkeiten und Fertigkeiten sind alle Möglichkeiten des Menschen, seine Aktivitäten zu steuern, und zwar auch in Richtung auf Beruhigung. Diese Theorie entspricht weitgehend dem „Flow-Kanal“ nach Csikszentmihalyi (Csikszentmihalyi a.a.O.) und dem „Eustress“ nach Hans Selye. Die Österreichische Akademie für Arbeitsmedizin hat für die Anwendung dieser Theorie im Arbeitsleben den Ausdruck „Felicitogenese“ geprägt.

Theorie des Regelkreises von Stress und Langeweile
Die experimentelle Glücksforschung stützt sich auf die von Norbert Wiener entwickelte Kybernetik, die Lehre von Regelkreisen. Wiener kennt neben den Regelkreisen, die einen Wert in einer bestimmten Bandbreite konstant halten, wie zum Beispiel die Regelung der Körpertemperatur, auch Regelkreise, die „übersteuern“ und damit unkontrollierte Ausschläge nach beiden Seiten erzeugen. Ein Beispiel ist die Körpertemperatur bei manchen Infektionskrankheiten, die zwischen Fieber und Schüttelfrost schwankt.

Die experimentelle Glücksforschung geht davon aus, dass der Regelkreis der kurzfristigen Beanspruchung von Menschen im Sinne Wieners „übersteuert“, also zu unerwünschten Schwankungen zwischen Langeweile und Stress führt. Sie sucht aktiv nach Möglichkeiten, diese Übersteuerung auszuschalten.

Druckversion Druckversion | Sitemap
GLÜCKSINSTITUT BERLIN